Aus der Stadtgeschichte

Aus der Stadtgeschichte

Sep­tem­ber 1999VS Ak­tu­ell 3/1999

Stät­ten des Aus­flugs und der Ein­kehr

Von: Wolf­gang Bausch

Wolf­gang Bausch (65), seit Jahr­zehn­ten mit re­gio­nal­ge­schicht­li­chen For­schun­gen be­faßt, Au­tor zahl­rei­cher Bei­trä­ge zu die­ser Pro­b­le­ma­tik in der Ta­ge­s­pres­se und in Zeit­schrif­ten so­wie auch in an­de­ren Pu­b­li­ka­tio­nen. Mit­g­lied des Chemnit­zer Ge­schichts­ve­r­eins seit 1990, dem Vor­stand seit 1993 zu­ge­hö­rig.

Die wär­me­re Jah­res­zeit setzt den Aus­flug zu be­lieb­ten Nah­zie­len un­se­rer Stadt wie­der auf die Ta­ges­ord­nung. Und so ist es an­ge­zeigt, auch ein­mal ei­nen Aus­flug in die Gast­stät­ten- His­to­rie zu un­ter­neh­men. Be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr­hun­dert be­gan­nen die Chemnit­zer Bür­ger Er­ho­lung, Er­bau­ung und Verg­nü­gen in der nähe­ren und wei­te­ren Um­ge­bung der Stadt zu su­chen. Und es fehl­te seit­her nicht an Ge­le­gen­heit da­zu. Man wähl­te da­bei viel­fach Zie­le, die an den gro­ßen Aus­fall­st­ra­ße la­gen. An der Zscho­pau­er St­ra­ße war es zu­erst "Baums Re­stau­rant, Kon­zert- und Bal­le­tab­lis­se­ment", her­vor­ge­gan­gen aus ei­nem Vor­werk mit Schank­ge­neh­mi­gung, das be­reits Mit­te des 19. Jahr­hun­derts als "Heu­sin­gers Hof und Kaf­fee­gar­ten" ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel der Chemnit­zer war. Nur we­ni­ge hun­dert Me­ter wei­ter, dort, wo sich heu­te das ein­la­den­de Gast­haus "Zur Mie­ne" be­fin­det, sorg­te seit 1868 "Zieg­ners Wirt­schaft" für Spei­se und Trank. Sie wur­de sein­er­zeit von dem Lohn­fuh­ren- und Wirt­schafts­be­sit­zer K. Fried­rich Zieg­ner er­rich­tet und ging 1914 in den Be­sitz des Schank­wirts Paul Za­cha­rias über. Dicht auf, an der heu­ti­gen Cer­van­tes­st­ra­ße, lag dann "Wan­de­rers Ruh". Das Gast­haus, In­ha­ber Max Pin­kes, war 1909 er­öff­net wor­den als "Obst­wein­schän­ke", in der "Röt­her Obst- und Bee­ren­wein aus der Frei­herr­li­chen Frie­se'schen Gar­ten­di­rek­ti­on" zum Aus­schank kam, und als "Milch­gar­ten", der aus ei­ge­ner Mol­ke­rei ver­sorgt wur­de. Die Zscho­pau­er St­ra­ße wei­ter voran folg­ten als­bald gleich zwei Gast­hö­fe, die "Neu­en Schän­k­en", zu Rei­chen­hain und Ober­her­m­ers­dorf ge­hö­rig, ein "alt­re­nom­mier­ter Aus­flug­s­ort mit herr­li­chem, staub­f­rei­em und zug­f­rei­em Lin­den­gar­ten", der be­reits zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts an­ge­legt wor­den war. In der Fer­ne lock­te dann noch ei­ner der äl­tes­ten Fuhr­manns­gast­hö­fe, der al­ler­wärts gut be­kann­te und be­lieb­te "Gol­de­ne Hahn". Seit 1684 be­stand an der Chaus­see nach Ann­a­berg ei­ne Ein­kehr­stät­te und Aus­span­ne, spä­ter "Rei­chels Neue Welt", die die Men­schen an­zog. In Rich­tung Zwic­kau lock­te der "Win­ter­gar­ten", der bis zu 6.000 Men­schen Verg­nü­gen bot. Es folg­ten der Gast­hof Sc­hönau, der sich seit 1827 im Be­sitz der Fa­mi­lie Zinn be­fand und der seit dem 18. Jahr­hun­dert exis­ten­te Gast­hof Rei­chen­brand mit sei­ner gro­ßen At­trak­ti­on, der glä­s­er­nen Kup­pel über dem Tanz­saal. Gen Leip­zig zo­gen der 1852 er­rich­te­te "Grü­ne Hof' und das 1906 am Aus­sicht­s­turm für den Ei­ser­nen Kanz­ler er­bau­te "Bis­marck-Schlöß­chen" die Gäs­te aus der Stadt an. In Hil­bers­dorf war ei­ne gu­te Ad­res­se die "Re­stau­ra­ti­ons­lo­ka­li­sa­ti­on - Wald­schlöß­chen - des Herrn We­ber" an der Dresd­ner St­ra­ße, in Ebers­dorf der Gast­hof glei­chen Na­mens, den Carl Jo­seph Thü­mer 1852 er­baut hat­te. Ein be­lieb­tes Aus­flugs­ziel in Ra­ben­stein war der Gast­hof "Gol­de­ner Löwe", der 1445 erst­mals als "Gäß­ners Schen­ke" be­zeugt ist. Be­liebt wa­ren Aus­flü­ge auf der Chaus­see nach Stoll­berg zum "Eich­hörn­chen", zum "Wind" mit sei­nem Aus­sicht­s­turm, zum "Hei­te­ren Blick" und als Spät­ling zu dem im Mai 1926 er­öff­ne­ten Flug­ha­fen- Re­stau­rant "Ika­rus". In Rich­tung Au­gus­tus­burg er­f­reu­ten sich der 1904 ge­grün­de­te "Hirsch" und die seit 1909 be­ste­hen­de "Hei­de­schän­ke" gro­ßer Be­liebt­heit. Aber auch ab­seits der gro­ßen St­ra­ßen gab es be­lieb­te Aus­flugs­zie­le. Zu ih­nen ge­hör­ten un­s­trit­tig das 1876 von der Pri­vi­le­gier­ten Schei­ben­schüt­zen­ge­sell­schaft er­bau­te "Schüt­zen­haus" in Al­ten­dorf, seit 1886 die Berg­gast­stät­te auf dem Adels­berg, die 1895 be­grün­de­te "Wie­sen­burg" in Al­ten­dorf, die vor ge­nau 100 Jah­ren in der Nähe des "Gold­borns" an­ge­leg­te "Zei­sig­wald-Schän­ke", die am ers­ten Weih­nachts­fei­er­tag er­öff­ne­te "Küch­wald-Schän­ke" und die am 16. Ok­tober 1927 ein­ge­weih­te "Beu­ten­berg-Bau­te". Vie­les ist in­zwi­schen Ver­gan­gen­heit und lebt nur noch in der Er­in­ne­rung. Doch an ei­ni­gen Stät­ten ist wie­der Le­ben ein­ge­kehrt. Es lohnt sich, dies ein­mal selbst her­aus­zu­fin­den und ei­nen Aus­flug dort­hin zu un­ter­neh­men.

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